Datum:  23. März 2009

Ort: Industrie-Club Düsseldorf

Referenten:
Anne-José Paulsen
Präsidentin des Oberlandesgerichts Düsseldorf

Kasper Rorsted
Vorsitzender des Vorstands, Henkel Management AG

Martina Sandrock
Geschäftsführerin, Sara Lee Deutschland GmbH

Dr. Johannes Graf von Schmettow
Vorsitzender der Geschäftsführung Deutschland,
Egon Zehnder International GmbH

Wer sind die besseren Chefs – Frauen oder Männer?

„Führen Frauen besser?“ Diese aktuelle Fragestellung diskutierten Vertreter aus Wirtschaft und Öffentlichem Dienst Ende März 2009 im Düsseldorfer Industrieclub. John Kayser, Chef des „ForumFührung“ sowie Initiator und Moderator der Veranstaltung , hatte dazu eine hochkarätig besetzte Runde auf dem Podium versammelt: Martina Sandrock, Geschäftsführerin von Sara Lee; Dr. Johannes Graf von Schmettow, Vorsitzender der deutschen Geschäftsführung der Egon Zehnder International GmbH; Anne-José Paulsen, Präsidentin des Oberlandesgerichts Düsseldorf, sowie den Vorstandsvorsitzenden der Henkel AG, Kasper Rorsted.

Frauen haben den Einzelnen im Fokus
Gleich zu Beginn der Diskussion vertrat Martina Sandrock in ihrem Einführungsstatement die These, Frauen führten anders als Männer, da unter weiblicher Führung der einzelne Mensch und das Team mehr im Fokus stünden als bei männlichen Chefs. Auch die anderen Diskutanten waren sich darin einig, dass der Führungserfolg maßgeblich von der Wertschätzung der Mitarbeiter abhängig sei. Den Mitarbeitern diese Wertschätzung zu vermitteln, sei daher eine zentrale Aufgabe von Führungskräften.

Studien: Kein Unterschied im "Können"
Johannes Graf von Schmettow blieb seinen Wurzeln als promovierter Mathematiker treu und ging das Problem auf statistische Weise an. Sein Ergebnis nach der Analyse diverser Führungsstudien: Es gebe keine geschlechtsspezifischen Unterschiede im Führungsverhalten. Die Führungsqualität sei immer individuell und wird auch nach Ansicht von Anne-José Paulsen maßgeblich von der Persönlichkeit eines Vorgesetzten beeinflusst.

Rorsted: Die Mischung macht's
Henkel-Chef Kasper Rorsted brachte einen weiteren relevanten Erfolgsfaktor ein. Seines Erachtens kommt es sehr stark auf die Zusammensetzung eines Teams an. Es gelte, die beste Kombination aus Kompetenzen zu finden; das Geschlecht des Vorgesetzten sei dabei sekundär. Für sein Hoch auf die Diversität fand er breite Zustimmung. Man war sich einig, dass vor allem die Qualität der Führung entscheidend sei, die aber nicht per se vom Geschlecht der Vorgesetzten beeinflusst würde. Unisono empfanden die Diskutanten daher Quotenregelungen als kontraproduktiv.

Die spezifisch deutsche Einstellung zur Kombination von Karriere und Familie brachte Rorsted aufs Tapet. Führungskräfte würden immer noch zu häufig glauben, wenn ein Mitarbeiter nicht im Unternehmen präsent sei, leiste er auch nichts. In seinen Augen sei dies Unsinn, nur das Ergebnis zähle. In Skandinavien sei Arbeiten von zu Hause aus weit häufiger üblich als hier. Beispielhaft nannte er seine eigene Assistentin – er wisse nie, wo sie sich gerade aufhalte, aber sie habe noch kein Telefonat verpasst.

Die Trägheit der Welt...
Unterstützung fand Rorsted im Publikum. Die Forderung nach einem Umdenken in Unternehmen und Gesellschaft wurde laut: Frauen seien nicht nur durch Arbeit und Kinder doppelt belastet, sondern durch die alternden Eltern käme auch noch ein weiterer Faktor hinzu, der die Karrierechancen von Frauen beeinträchtigt. Das System an sich sei allerdings träge, wandte von Schmettow ein. Was in 100 Jahren historisch gewachsen sei, brauche vielleicht auch 100 Jahre, bis es sich in die gewünschte Richtung drehen könne.

Liegt es am "Wollen"?
Auf die Frage, ob Frauen überhaupt vermehrt Einzug in Vorstandsetagen halten „wollen“, steht nach Einschätzung der Diskutanten in engem Zusammenhang mit der Personalentwicklung. Anne-José Paulsen berichtete über ihre Erfahrungen als „die erste Frau“ in vorher stets von Männern besetzten Positionen. Ihr Plädoyer: Man müsse Frauen ermuntern, sich bestimmte Aufgaben selbst zuzutrauen.

Ein Schlüssel: Networking
Ohne Networking geht allerdings gar nichts. Gerade in höheren Positionen sei die Frage „wen kenne ich?“ die entscheidende, so Rorsted. Mit ca. 80 Prozent Männeranteil in den entscheidenden Netzwerken seien Frauen einfach unterrepräsentiert. Sein Rat: „Frauen müssten einander besser helfen.“ Am Ende der sehr konstruktiv geführten Diskussion war man sich einig im vollbesetzten Industrieclub. „Auch wenn noch viel zu tun ist  - Deutschland ist auf dem richtigen Weg“, brachte Moderator John Kayser das Ergebnis auf den Punkt.

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